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Kirche und Geld
© Gerhard Rampp

Das Thema gliedert sich in drei Aspekte:

1. Wie verwendet die Kirche ihre Mitgliedsbeiträge (Kirchensteuer)?

2. Was leistet die Kirche für die Öffentlichkeit/den Staat?

3. Was zahlt der Staat für den innerkirchlichen Betrieb?

Frage 1 interessiert Kirchenfreie nur am Rande, denn jede Vereinigung kann mit ihren Mitgliedsbeiträgen grundsätzlich machen, was sie will. Die einzige Forderung der Nichtmitglieder: Die Kirchen sollen - wie jede andere Organisation auch - ihre Beiträge selbst einziehen.

Aufklärung ist aber nötig, denn die meisten Kirchenmitglieder wissen nicht, wofür ihre Kirchensteuer verwendet wird. Der weitaus größte Teil wird für Gehälter von Pfarrern und direktes Kirchenpersonal (ohne Sozialbereich!) ausgegeben, nur höchstens acht Prozent für öffentliche Sozialaufgaben.

Die Fragen 2 und 3 sind einander gegenüberzustellen. Resultat: Der Staat leistet weit mehr an die Kirchen als umgekehrt - auch mit den Steuergeldern der Kirchenfreien.

Der Eigenanteil kirchlicher Kindergarten- u. Schulträger differiert je nach Bundesland. In Bayern liegt er unter 7 %, wenn Elternbeiträge und die indirekte Staatssubvention aufgrund der steuerlichen Absetzbarkeit der Kirchensteuern berücksichtigt werden. Oft verringert sich der Eigenanteil noch weiter durch zusätzliche freiwillige Zuschüsse der Kommunen.

 

Folgerung: Jeder Kirchensteuerzahler sollte sich zunächst zwei grundsätzliche Fragen stellen:

 

Nur wenn beide Fragen eindeutig mit "ja" beantwortet werden können, macht das Zahlen des Kirchen-Mitgliedsbeitrags Sinn. Religiös uninteressierte oder gar ungläubige Taufschein-Mitglieder und auch religiöse, aber mit der Kirche nicht einverstandene Christen sollten hingegen bedenken: Wer als Säugling z.B. bei der CSU angemeldet würde und als Erwachsener immer noch jeden Monat 50 oder 80 DM Beitrag zahlte, obwohl er die Partei gar nicht wählt, würde von seinen Kollegen wohl als schizophren angesehen. Und hier? Jeder mag für sich beurteilen, ob er sich bezüglich seiner Kirchenmitgliedschaft nicht in einer vergleichbaren Lage befindet

Kirchensteuerzahler entrichten z.Zt. durchschnittlich 1000 DM pro Jahr. Im Lauf des Arbeitslebens sind das in der Regel zwischen 30.000 und 60.000 DM Kirchensteuern, etwa soviel wie ein Jahresgehalt. Wer Kirchensteuern zahlt, arbeitet also ein Lebensjahr (oder eine Stunde pro Woche, einen halben Tag pro Monat, sechs Arbeitstage im Jahr) nur für die Kirche. Einschließlich Zinsen beläuft sich die Kirchensteuersumme nach 40 Jahren je nach Zinssatz auf 150.000 bis 300.000 DM - nach heutigem Geldwert! (Dabei stiegen die Kirchensteuern in der Vergangenheit sogar noch stärker als die Inflationsrate.) Wer sich die Kirchensteuer zeitlebens spart, kann sich also im Alter allein aus den Zinsen dieses Vermögens eine komplette Rente leisten.

Nur 8 % der Kirchensteuern kommen sozialen Zwecken zu. Viele halten es daher für logisch, sie einzusparen und zum Teil gezielt für soziale Anliegen eigener Wahl einzusetzen. Warum auch nicht?

 

Die Daten wurden von kompetenten kirchlichen Stellen nicht bestritten. In den letzten Jahren wurden sie sogar vielfach bestätigt, z.B. von WiSo (ZDF, 4.3.92), Monitor (ARD, 11.5.92 u. 24.2.94), dem Spiegel (10.1.94 u. 6.3.95), Focus (30.12.96) sowie innerkirchlich in der Kirchenfunksendung Die Kirche und die Kohle (BR III, 28.5.92), in Weltbild (11.1.91), in der Kirchenzeitung der Erzdiözese Köln (21.9.90) durch den Finanzdirektor und Generalvikar Feldhoff, in Doppelpunkt (ZDF, 29.4.93) durch den Paderborner Theologieprofessor Eicher, vom Kirchenfinanzexperten Peter Wingert in der Fernsehdokumentation Die Wohlfahrts-GmbH (ARD, 3.11.94), in der Dokumentation Die Kirche und ihr Geld vom Münchner Evangelischen Kirchentag vom 26.5.90 u.a.


Mai 2000  Der Humanist
erstellt von
Heike Jackler