FAQ Kirchensteuer

1. Wer ist in Deutschland kirchensteuerpflichtig?

Antwort: Kirchensteuerpflichtig ist, wer einer Kirche oder einer Glaubensgemeinschaft angehört, die Kirchensteuer erhebt. In Deutschland sind dies vor allem die beiden großen Kirchen, die römisch-katholische und die evangelische. Mitglied dieser beiden Kirchen wird man durch den Akt der Taufe, der meist im Säuglingsalter vorgenommen wird. Ein bewusster Eintritt liegt somit in der Regel nicht vor, dennoch haben die Getauften die Rechtsfolgen für die Entscheidung ihrer Eltern zu tragen. Eine Gebühr für den Kircheneintritt wird von staatlichen Stellen nicht erhoben.

2. Dürfen auch andere Glaubensgemeinschaften außer den beiden großen Kirchen Kirchensteuer erheben?

Antwort: Ja, auch andere Gemeinschaften können grundsätzlich Kirchensteuer erheben. Voraussetzung ist jedoch, dass diese den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts haben. So wird in Deutschland u.a. von Israelitischen Kultusgemeinden und Altkatholiken Kirchensteuer erhoben. Glaubensgemeinschaften, die als Vereine organisiert sind, können keine Kirchensteuer erheben. Sie können lediglich Mitgliedsbeiträge einfordern.

3. Worin unterscheidet sich die Kirchensteuer von einem Mitgliedsbeitrag?

Antwort: Als Steuer ist die Kirchensteuer, wenn ein Mitglied nicht zahlt, direkt durch die staatliche Finanzverwaltung vollstreckbar; ein ausstehender Mitgliedsbeitrag muss durch ein zivilrechtliches langwierigeres Mahn- und Vollstreckungsverfahren eingetrieben werden.

Durch ihre Koppelung an die Lohnsteuer steigt bei einer Lohnerhöhung automatisch auch die Kirchensteuer; die Erhöhung eines Mitgliedsbeitrages muss in der Regel durch die Mitglieder- oder Delegiertenversammlung beschlossen werden. Andererseits sind die Einnahmen der Kirchen auch von der Senkung der direkten Steuern betroffen.

4. Welche Arten von Kirchensteuer gibt es in Deutschland?

Kircheneinkommens- bzw. Kirchenlohnsteuer: Diese Kirchensteuer wird als prozentualer Zuschlag zur Einkommens- bzw. Lohnsteuer berechnet. Sie wird bei abhängig Beschäftigten direkt bei der Gehaltsabrechnung nach den Angaben auf der Lohnsteuerkarte abgezogen und durch den Arbeitgeber an das Finanzamt abgeführt. Dieses leitet die Beträge an die jeweiligen Religionsgemeinschaften weiter.

Eine Sonderregelung gilt in Bayern. Dort wird bei den großen Kirchen für alle Steuerpflichtigen, die ihr Einkommen in einer Steuererklärung deklarieren müssen, die Kircheneinkommensteuer auf Grund eines Bescheids kircheneigener Kirchensteuerämter festgesetzt.

Mindestbetrags-Kirchensteuer: .In einigen Bundesländern wird von den Kirchen ein Mindestbetrag festgelegt.Fällt bei einem wenig verdienenden Kirchenmitglied die von der Lohnsteuer berechnete Kirchensteuer unter diesen Betrag, wird stattdessen der höhere
Mindestbetrag als Kirchensteuer erhoben.

Besonderes Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe: Diese Steuer wurde mittlerweile in fast allen Bundesländern eingeführt, wird meistens jedoch nur von der evangelischen Kirche erhoben. Das Kirchgeld zahlt ein nicht oder gering verdienendes Kirchenmitglied, wenn der allein oder besser verdienende Ehepartner keiner kirchensteuerpflichtigen Gemeinschaft angehört. Berechnungsgrundlage des Kirchgeldes ist das Gesamteinkommen, also auch und vor allem das Einkommen des Nichtkirchenmitglieds. Damit erlangen die Kirchen die Steuerdaten auch von Konfessionslosen.

Kirchensteuer auf Kapitalertragssteuer: Kapitalerträge (z.B. Zinsen auf Sparanlagen) unterliegen als Einkommen der Abgeltungssteuer und auch der Kirchensteuer. Entsprechend den Angaben zur Kirchenmitgliedschaft führt die Bank die Abgeltungssteuer einschließlich Kirchensteuer an das Finanzamt ab.

Kirchengrundsteuer: Die Kirchengrundsteuer wird in einigen Bundesländern als Zuschlag zu den Grundsteuermessbeträgen aus land- und forstwirtschaftlichem Grundbesitz erhoben, wenn sie die Kircheneinkommens- oder Kirchenlohnsteuer übersteigt.

Ortskirchensteuer: Wird in manchen Bundesländern zusätzlich als teils freiwilliges Kirchgeld erhoben.

5. Wie hoch ist die Kirchensteuer in Deutschland?

Antwort: Der Kirchensteuersatz auf Lohn- bzw. Einkommenssteuer sowie auf die Kapitalertragssteuer beträgt in Bayern und Baden-Württemberg 8%, in den übrigen Bundesländern 9% der Einkommenssteuerschuld.

Wird die Lohnsteuer pauschal vom Arbeitgeber abgeführt (z.B. bei Geringfügiger Beschäftigung, Aushilfen), wird auch die Kirchensteuer pauschal berechnet, egal ob der Arbeitnehmer tatsächlich Kirchenmitglied ist. Der Prozentsatz liegt zwischen 4 und 7% je nach Bundesland. Bei Minijobs ist in der Lohnsteuerpauschale ein Kirchensteueranteil von 5% enthalten. Hierzu erläutert ein Kirchensteuerexperte der EKD: „Die in der einheitlichen Pauschsteuer definitorisch enthaltene Kirchensteuer ist keine solche im eigentlichen Sinn, da ihr die sie begründenden Merkmale fehlen. Es ist vielmehr eine von allen Arbeitgebern zu tragende staatliche Steuer mit gesetzlicher Verwendungsfiktion.“

6. Müssen Konfessionslose für ihren Ehepartner Kirchensteuer zahlen?

Antwort: Das kann passieren und zwar durch das so genannte „Besondere Kirchgeld in glaubensverschiedenen Ehen“. Dabei wird bei der Berechnung der Kirchensteuer eines Kirchenmitglieds, das selbst kein oder nur ein geringes Einkommen hat, das Einkommen des Ehepartners herangezogen. Dieser hat dann für die Kirchensteuer (in diesem Fall als „Kirchgeld“ bezeichnet) des Ehepartners aufzukommen. Das Kirchgeld wird in fast allen Bundesländern bzw. von allen evangelischen Landeskirchen und manchen römisch-katholischen Diözesen erhoben. Eine Verfassungsbeschwerde (Az. 2 BvR 591/06) hat das Bundesverfassungsgericht im November 2010 nicht zur Entscheidung angenommen und damit die bisherige Praxis bestätigt.

7. Müssen auch Rentner und Arbeitslose Kirchensteuer zahlen?

Antwort: Rentner müssen Kirchensteuer zahlen, vorausgesetzt sie sind einkommenssteuerpflichtig und verfügen über eine entsprechend hohe Rente. Einige Kirchengemeinden haben ein in der Regel freiwilliges Kirchgeld für Rentner und andere Mitglieder, die kein entsprechend hohes Einkommen (mehr) haben, eingeführt.

Arbeitslose müssen keine Kirchensteuer zahlen. Bis 2004 wurde bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes eine „fiktive Kirchensteuer“ bei allen Arbeitslosen abgezogen, egal, ob sie einer Kirche angehörten oder nicht. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte im Jahr 1994 die Rechtmäßigkeit u.a. damit, dass die Kirchensteuer zu den „gewöhnlich anfallenden Abzügen“ gehört, solange man „aufgrund statistischer Erkenntnisse davon ausgehen kann, dass die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer die Abgabe zu zahlen hat“. Da dies zum Zeitpunkt der Neuregelung des Arbeitslosengeldes ab 2005 (Einführung ALG II) nicht mehr der Fall war, wurde die fiktive Kirchensteuer auf Arbeitslosengeld abgeschafft.

8. Bekommen die Kirchen auch Geld von Nichtmitgliedern?

Antwort: Ja, denn die Kirchensteuer macht nur einen Teil der Einnahmen der beiden großen Kirchen aus. Daneben erhalten sie sog. Staatsleistungen und zahlreiche andere Zuschüsse, die aus dem allgemeinen Steuertopf genommen werden. Allein an Baulasten und Zuschüssen für Kirchenpersonal zahlen die Bundesländer über 500 Millionen Euro jährlich an die Kirchen. So wird das Gehalt zahlreicher Bischöfe aus Steuermitteln entrichtet. Hohe Summen fließen auch für die   Gehälter und die Ausbildung von Religionslehrern. Selbst Kirchentage und die Auslandsarbeit bezuschusst der Staat in hohem Maße.  Auf diese Weise finanzieren auch Konfessionslose und Andersgläubige rein innerkirchliche Belange.

9. Wie hoch werden Kapitalerträge von Kirchenmitgliedern besteuert?

Antwort: Seit dem Jahr 2009 wird die Quellensteuer als Abgeltungssteuer erhoben und direkt von den Banken an die Finanzämter abgeführt. Die so versteuerten Kapitalerträge (z.B. Zinsen für Sparanlagen) müssen nicht mehr gesondert in der Einkommenssteuererklärung angegeben werden. Die Abgeltungssteuer beträgt 25% der Kapitalerträge. Hinzu kommen 5,5% der Abgeltungssteuer als Solidaritätszuschlag. Für Kirchenmitglieder erhöht sich der Betrag, der von den Zinsen abgezogen wird, um die Kirchensteuer (8% bzw. 9% der Abgeltungssteuer).

Da die Kirchensteuer als Sonderausgabe wiederum die Abgeltungssteuer etwas mindert, ergeben sich folgende Gesamtabzüge auf die Kapitalerträge:
für Kirchenmitglieder (bei 9% Kirchensteuer): 27,9951%
für Nicht-Kirchenmitglieder: 26,375%

Damit die Banken die Kirchensteuer abführen können, werden die Kunden über ihre Konfession befragt. Wer den Banken seine Kirchenmitgliedschaft nicht bekannt macht, muss die Kapitalerträge bei seiner Einkommenssteuererklärung angeben, damit hier die Kirchensteuer berechnet werden kann. Sonst hinterzieht das Kirchenmitglied einen Teil seiner Kirchensteuer.

Entgegen dem Verfassungsgrundsatz, dass Angaben zur Konfession nur gegenüber Behörden zu machen sind, sollen die Banken jedoch ab 2011 über eine Datenbank beim Bundeszentralamt für Steuern in Berlin alle konfessionsrelevanten Daten ihrer Kunden (eventuelle Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuersatz) abrufen können. Die Banken führen dann die Kirchensteuer automatisch ab.

10. Wieviel Kirchensteuer wird bei 400 Euro-Jobs fällig?

Antwort: Auch bei geringen Einkünften, sog. Minijobs, halten die beiden großen Kirchen die Hand auf. Seit April 2003 besteht die Möglichkeit, die Steuerpflicht bei Minijobs pauschal mit 2% des Einkommens zu begleichen, wobei in diesen 2% die Kirchensteuer inklusiv ist. Wie der Begriff „Pauschalsteuer“ vermuten lässt, werden diese 2% inklusive Kirchensteuer auch für die  Minijobber abgezogen, die kein (!) Mitglied der beiden großen Kirchen sind.

Die Entscheidung darüber, ob dieser vereinfachte Weg – gleichsam Steuer „all inclusive“ – eingeschlagen wird, liegt dabei nicht einmal beim Steuerpflichtigen, sondern beim Arbeitgeber. Dieser kann auch bei 400 Euro-Jobs auf einer Eintragung auf der Lohnsteuerkarte bestehen. In diesem Fall wird selbstverständlich auch wieder die Kirchensteuer fällig. Eine Ausnahme bilden die Steuerklassen I-IV: Bei diesen fallen bei einem Monatseinkommen von 400 Euro keine Steuern an.

Die Möglichkeit der oben genannten Pauschalsteuer besteht übrigens prinzipiell auch bei kurzfristigen Minijobs, die sich über die Dauer des Arbeitsverhältnisses und nicht über eine Einkommensgrenze definieren. Für diese gilt aber, dass dann pauschal die üblichen 25% sowie zusätzlich der Solidaritätszuschlag und wiederum die Kirchensteuer abgezogen werden.

11. Was hat es mit der Kappungsgrenze und der Möglichkeit des Teilerlasses auf sich?

Antwort: Bei hohen Einkünften, bei denen die Kirchensteuer über einem gewissen Prozentsatz des zu versteuernden Einkommens liegen würde, wird diese begrenzt. Die Kirchensteuer wird dabei von der Steuerprogression (wer viel verdient, zahlt auch mehr Steuern) abgekoppelt. Diese so genannte Kappungsgrenze beträgt je nach Bundesland und Kirche zwischen 2,75% und 4% des zu versteuernden Einkommens. In einigen Bundesländern erfolgt die Kappung nur auf Antrag, in Bayern gibt es keine Kappungsgrenze. Werden Gründe vorgetragen, die eine Ermäßigung der Kirchensteuer aus Billigkeitsgründen rechtfertigen, ist auch ein Teilerlass möglich (z.B. bei Abfindungen und außerordentlichen Einnahmen 50% der Kirchensteuer).

12. Warum entlasten die Kirchen hohe Einkommen?

Antwort: Die Kirchen möchten so verhindern, dass die Vermögenden aus der Kirche austreten, um die Kirchensteuerzahlung zu vermeiden und kommen ihnen deshalb finanziell entgegen.

13. Wer ist für den Einzug der Kirchensteuer zuständig?

Antwort: In Deutschland haben die Kirchen die Verwaltung des Einzugs der Kirchensteuer auf den Staat übertragen. Daher sind die Finanzämter zuständig, die für diesen Aufwand zwischen 2 und 4,5% Prozent der erhobenen Kirchensteuer bekommen. Eine Ausnahme stellt Bayern dar; hier gibt es für die Kircheneinkommenssteuer (nicht für die Kirchenlohnsteuer) eigene Steuerämter der Kirchen.

14. Wie hoch ist das Kirchensteueraufkommen in Deutschland?

Antwort:  Im Jahr 2008 betrugen die Kirchensteuereinnahmen für die evangelische Kirche 4,6 Milliarden Euro, für die katholische Kirche 5,1 Milliarden Euro.

Das Kirchensteueraufkommen wird sich in den kommenden Jahren verringern, da es hauptsächlich von zwei Faktoren abhängig ist: der Zahl der erwerbstätigen und damit steuerpflichtigen Kirchenmitglieder und der Einkommenssteuerpolitik. Die Zahl der Kirchenmitglieder verringert sich beständig, da insbesondere Jüngere nicht mehr getauft und dadurch Kirchenmitglied werden bzw. aus der Kirche austreten.

Die Kirchensteuer ist eine Zuschlagssteuer (Annexsteuer) zur Einkommenssteuer. Es gibt einen europaweiten Trend, dass die Regierungen die Einkommenssteuern reduzieren und auf die indirekten Steuern (z.B.Mehrwertsteuer) ausweichen. Je stärker die Einkommenssteuer sich verringert, verringert sich auch dazu parallel das Kirchensteueraufkommen.   

15. Wofür wird die Kirchensteuer verwendet?

Antwort: Die Kirchensteuer wird fast ausschließlich für kircheninterne Zwecke verwendet. Etwa 60-70% der Kirchensteuereinnahmen benötigen die Kirchen für die Bezahlung des eigenen Personals. Weitere größere Posten sind Verwaltung und Kirchenbauten. Lediglich einen Bruchteil der Kirchensteuereinnahmen gibt die Kirche für öffentliche soziale Zwecke aus.

16. Werden Krankenhäuser und Kindergärten aus der Kirchensteuer finanziert?

Antwort: Die Krankenhäuser in kirchlicher Trägerschaft werden – wie die Einrichtungen anderer Träger auch – durch die Krankenkassen, die Sozialversicherungsträger, die Kranken selbst mit ihren Eigenbeiträgen und den Staat in Form von Investitionen finanziert. Somit fließt kein Euro Kirchensteuer in die Krankenhäuser.
Anders sieht dies bei Kindergärten aus. In die Erziehung der Kinder im kirchlichen Sinne investiert die Kirche tatsächlich Mittel aus der Kirchensteuer, jedoch mit stark abnehmender Tendenz. Waren in den 1990er Jahren noch ca. 20% kirchliche Eigenleistungen vorgesehen (die Zahlen schwanken von Bundesland zu Bundesland), ging dieser Anteil in den letzten Jahren auf ca. 10% zurück. Viele kirchliche Kindergärten werden jedoch schon auf Druck der Kirchen völlig durch die öffentliche Hand finanziert. Die Kirchen drohen den Kommunen damit, ihre Kindergärten zu schließen, wenn keine zusätzlichen Zuschüsse über den gesetzlich festgelegten Anteil der öffentlichen Hand hinaus gewährt werden.

17. Werden die Finanzen der Kirchen und ihre Verwendung von unabhängigen Stellen kontrolliert?

Antwort: Die Kirchen bestellen in der Regel eigene Rechnungsprüfer, die ihre Einnahmen und Ausgaben prüfen. Die Finanzämter sind nicht berechtigt, die Finanzen der Kirchen zu prüfen.

18. Wann endet die Kirchensteuerpflicht?

Antwort: Die Kirchensteuerpflicht ist an die Steuerpflicht gekoppelt; Kirchenmitglieder, die zu keiner einschlägigen Steuer herangezogen werden (weil sie zum Beispiel über kein Einkommen verfügen), müssen auch keine Kirchensteuer zahlen. Es kann jedoch passieren, dass der konfessionslose Ehepartner dann zur Steuer herangezogen wird. Sie herzu Punkt 5.
Ansonsten endet die Kirchensteuerpflicht mit dem Austritt aus der betreffenden Religionsgesellschaft, und zwar je nach Bundesland mit Ablauf des Monats bzw. des Folgemonats, in dem der Kirchenaustritt erfolgte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Einnahmen, die über Jahr hinweg erfolgen und zum Jahresende zur Auszahlung gelangen, anteilig für die Monate versteuert werden müssen, in denen noch eine Kirchensteuerpflicht bestand. (Wer also erst im Oktober aus der Kirche austritt, muss auf eine solche Einnahme für zehn Monate Kirchensteuer zahlen.)

19. Wie kann ich aus der Kirche austreten?

Antwort: Der Kirchenaustritt muss gegenüber einer staatlichen Stelle erklärt werden. Dies ist, je nach Bundesland, das für Ihren Wohnsitz zuständige Standesamt oder Amtsgericht.  Nur in Bremen kann der Kirchenaustritt sowohl beim Standesamt als auch bei kirchlichen Stellen erklärt werden (Haus der Kirche bzw. katholische Pfarrämter). Hierzu brauchen Sie einen Personalausweis und wenn Sie verheiratet sind, wird oft auch die Heiratsurkunde verlangt. In der Regel wird eine Austrittsgebühr gefordert. Detaillierte Informationen zum Kirchenaustritt können Sie der FAQ des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten entnehmen.

Sinnvoll ist es, bei dieser Gelegenheit auch gleich die Lohnsteuerkarte, auf der die Religionszugehörigkeit vermerkt ist, umschreiben zu lassen.

Wichtiger Hinweis: Eigentlich sollte 2011 eine elektronische Datenweitergabe an die Arbeitgeber statt der papiernen Lohnsteuerkarte eingeführt werden. Da aber die Regierenden auch dies wieder nicht hinbekommen haben, gelten nun erstmal die alten Lohnsteuerkarten von 2010 auch für 2011 weiter. Die Änderung des Konfessionsmerkmals nach dem Kirchenaustritt nimmt das für Sie zuständige Finanzamt vor.

20. Warum sollte die Kirchenaustrittsbescheinigung gut aufgehoben werden?

Antwort: Wenn Sie aus der Kirche austreten, erhalten Sie eine Austrittsbescheinigung. Verwahren Sie diese unbedingt gut, denn immer wieder kommt es vor allem nach Umzügen zu falschen Konfessionsangaben auf den Lohnsteuerkarten oder zu fehlerhafter Datenweitergabe an die Kirchen.

Vor allem – aber nicht nur – im Bereich der evangelischen Kirchen in Berlin-Brandenburg schreibt die Kirche auch immer wieder ehemals Getaufte, die keine Kirchensteuer zahlen, an und fordert sie auf, Angaben zu ihrer Kirchenzugehörigkeit zu machen. Menschen, die seit langem nichts mehr mit der Kirche zu tun haben oder außer der Säuglingstaufe nie mit ihr zu tun hatten, müssen plötzlich ihren Austritt nachweisen. Dabei geht es der Kirche nicht darum, Menschen vom Glauben zu überzeugen und zu überzeugten Mitgliedern zu machen, sondern Kirchensteuer einzutreiben. Diese wird rückwirkend eingefordert – bei Weigerung per Gericht – und verjährt erst nach fünf Jahren.