Kirchenaustritt

Ein selbstbestimmter Kirchenaustritt ist nach Vorstellung der Kirchen nicht wirksam; wer einmal getauft sei, könne die Gemeinschaft der Christen nicht aus eigener Initiative verlassen. Deshalb wurde in Deutschland mit Einführung der Kirchensteuer im Jahre 1875 auch die Möglichkeit geschaffen, den Kirchensteuerverband zu verlassen. Der Kirchenaustritt wird deshalb gegenüber einer staatlichen Stelle (dem zuständigen Einwohnermeldeamt oder Amtsgericht) erklärt. Für Glaubensgemeinschaften, die nicht den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts haben und deshalb keine Kirchensteuer erheben (muslimische Vereinigungen, christliche Splittergruppen), ist auch keine staatliche Regelung der Frage der Mitgliedschaft gegeben.

Der Kirchenaustritt ist in vielen Bundesländern mittlerweile mit einer Gebühr verbunden, deren Höhe stark variiert.
Entgegen der immer wieder kolportierten Behauptung, dass die Ersparnis der Kirchensteuer der Hauptgrund für die seit 1990 deutlich angestiegenen Kirchenaustritte sei, zeigen Umfragen, dass finanzielle Aspekte allein nicht ausschlaggebend sind. Von zentraler Bedeutung ist die fortschreitende Säkularisierung der Gesellschaft, die mit sich bringt, dass viele Getaufte der Kirche gleichgültig gegenüberstehen und ein Vereinsaustritt dementsprechend naheliegt. Auf der anderen Seite vertreten Gläubige die Auffassung, man könne auch ohne die Kirche christlich sein.

Der Kirchenaustritt ist auf der Ebene der Bundesländer geregelt. Wer Fragen zum Ablauf hat, kann sich durch die FAQ-Liste des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) oder bei kirchenaustrittsjahr.de im Detail informieren.